Vom Getreide und der Schale (eine alte Mythe neu erzählt)

Von den Samenkörnen und der Schale (eine alte Mythe neu erzählt).

Es war zu einer Zeit,als die Göttinnen und Götter sich noch stärker unter die Menschen mischten.

Eine trauernde Frau in einem Mantel,das Anlitz verborgen unter einer tiefen Kapuze aus schwerer Wolle wanderte durch die Straßen.
Der Mantel schien ganz aus Trauer und Verlust zu bestehen,denn seine Farbe war die von Nacht und Nebel.
Er schien sie einzuhüllen und zu beschützen.
Schottete die Frau zugleich ab.
An ihrer Seite war eine kleine Sichel zu sehen,für jene,die mehr als nur mit ihren Augen sahen.

So ging sie vom Tempel zu Tempel.
Rief nach ihrer Tochter,die ihr ein für sie grausames Schicksal genommen hatte. Ihre Trauer brachte Kälte über das Land. Das Getreide wurde schwarz,die Erde weigerte sich Frucht zu tragen und zu reifen.
Die Götter und Göttinnen konnten ihr weder raten,noch reichten ihre Worte für Trost. Selbst die weiseste Göttin und die schönste von ihnen hatte es gesehen.

An einem verlassen wirkenden kleinen Schrein,den Seelen der Wanderer und Toten geweiht,wartete die einzige,die ihr Antwort geben konnte. Die schöne Älteste,geboren aus Chaos. “Meine liebe Freundin,ich sehe dein Leid. Doch höre. Deine Tochter wählte ihren Weg zur Unterwelt und verlor ihr Herz an den König der Toten.” Eisig war der Blick der anderen Göttin. Konnte und wollte nicht verstehen warum.”Sie erkannten sich als Seelenverwandte.” Das beruhigte die Mutter der Erde nicht. Im Gegenteil. Hatte dieser Mann ihr einfach das liebste entrissen ohne mit ihr zu reden? Was nahm dieser Gott sich heraus? Das er sich über sie stellte ?
“Danke dir,meine Freundin. Möge dein Licht meinen Weg in die untere Welt erhellen.”
Die weise Göttin der Hunde und Fackeln gab ihr einen kleinen Schlüssel aus Messing mit.”Nimm dies mit dir.Verschließe nicht dein Herz vor dem was in den Tiefen sich dir zeigt.”sprach die dunkle ältere Göttin. Ein Eulenruf liess die Mutter aufhorchen. Ihre Freundin und Trost ihrer dunklen Stunde war verschwunden.

Demeter kannte den Weg in die Tiefe.
Er war in einer alten Höhle verborgen,in dessen inneren ein Teil des Reichs der Anderswelt war. Den Fluss überquerte sie mittels ihrer Kraft,die sie,als sie den Boden der Toten betrat,verliess.
Sie fühlte sich immer schwächer und spürte das Alter ihrer Leben und Inkarnationen. So trat sie vor dem König und Richter. Er war ein jung aussehender Mann mit schwarzen Haar,in langen Locken bis auf die Schultern. Dunkle Rubine glitzerten in einem Reif aus dunkel emaillierten Metall.
“Ich grüße dich, Erdenmutter! Was führt dich zu mir?”
“Ich klage dich an! Du hast mein einziges Kind entführt!” Ihre Stimme klang alt und rau.
“Das ist nicht wahr.”erklang eine sanfte Stimme und ein Duft von Frühlingsblumen erfüllte den Trohnsaal.
Mit Tränen in den Augen umarmte Demeter ihr Kind.
“Persephone..komm mit nach Hause.”
Mit einem erwachsenen Blick voller Reife und Liebe,aber auch Trauer,schüttelte ihre Tochter den Kopf. “Nein Mutter. Wir teilten ein einvernehmliches Hochzeitsmahl. Zudem hab ich begonnen meinen Liebsten von einem alten Schmerz zu heilen.”
Demeter dämmerte es.
“Doch könntest du für ein halbes Jahr,jedes Jahr,bei deiner Mutter sein.”meinte der dunkle König.
Mit dankbaren Blick nahm Persephone dies an.
Und zusammen stieg sie mit ihrer großen Mutter als Mädchen des Korns zu unserer Welt hinauf.Die geheilte Wunde ihrer Mutter brachte den Frühling zurück.
Das Korn reifte.
Die Kräuter brachten Genesung zurück.
Und seitdem feiern wir die Jahreszeiten.
Aus Verstehen und der Liebe.
Die immer siegt.

Ende.

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